Interview mit Frank Krause


Die Geisterstadt beschreibt einen Teil meiner Reise


Wir haben Frank Krause über sein Buch Die Geisterstadt befragt. Im Interview gibt er unter anderem darüber Auskunft, wie das Buch entstanden ist, wie die Reaktionen darauf ausfallen und was er Menschen empfiehlt, die aus dem religiösen System ausbrechen wollen.

Was hat dich dazu bewegt, das Buch “Die Geisterstadt” zu schreiben? Gab es einen bestimmten Auslöser?

Frank Krause: Wie ich im einführenden Kapitel „Von der Geburt einer Vision“ schreibe, erlebe ich manche Inspirationen als „aufdringlich“. Sie begleiten mich über einen Zeitraum, wachsen und arbeiten in mir und wollen schriftlich entwickelt werden. Ich fange also an, zu schreiben und weiss noch nicht, wohin die „Geschichte“ mich führen wird, das macht es wirklich spannend. Der Auslöser war also keine äusserliche Situation, sondern eine innere Befindlichkeit.

Wie lange hat es von der ersten Idee an gedauert, bis das Buch gedruckt worden ist?

Frank Krause: O, das ging recht schnell, es dauerte etwa ein Jahr.

Du hast innerhalb kurzer Zeit einige Bücher veröffentlicht. Bist du eine überdurchschnittlich produktive Person?

Frank Krause: Ich halte mich nicht für besonders produktiv oder strebsam. Ich habe die Bücher alle in einem Rutsch geschrieben, eins am anderen, insgesamt 7 Stück, 4 davon wurden bisher veröffentlicht. Es floss einfach aus mir heraus und ich nutzte jede freie Zeit, um weiterzuschreiben, so lange dieser Fluss floss. Ich arbeite aber durchaus Textelemente ein, die ich aus früher verfassten Aufsätzen oder Predigten nehme.

Dein Schreibstil hebt sich von demjenigen anderer Autoren ab. Du beschreibst Visionen sehr konkret. Wie bist du darauf gekommen, Bücher auf diese Art und Weise zu verfassen?

Frank Krause: Ich denke, es hat etwas mit meiner Erfahrung „innerer Heilung“ zu tun, mit einem besseren Zugang zu meinem eigenen Herzen. Ich schreibe sehr unmittelbar auf, was ich dort sehe, erlebe und empfinde, darum sind die Bücher auch keine Sachbücher sondern Herz-Bücher. Ich hatte den Eindruck, solche Bücher sind wichtig, gerade weil wir Deutschen eher Kopfmenschen sind und auch den christlichen Glauben sehr kopflastig betreiben.

Wen willst du mit dem Buch ansprechen?

Frank Krause: Menschen, die auf eine sehnsüchtige, ja geradezu verzweifelte Weise nach einer tieferen, wahrhaftigeren und ganzheitlicheren Beziehung mit Jesus suchen, als wie sie sie in der Regel aus der traditionellen Gemeinde kennen. Die Herzensdimension ist wichtig, das „Werden wie ein Kind, um das Himmelreich sehen zu können“, wie Jesus sagt. Ich schreibe für eine Gemeinde, die sich um Jesu willen selbst überwindet, anstatt Jesus ständig ihrem Programm und ihrer Routine anzupassen.

Gibt es Reaktionen von Christen, welche sich noch im System traditioneller Gemeinden befinden, auf deinBuch?

Frank Krause: Ja, es gibt diese Reaktion.

Wie fallen die aus?

Frank Krause: Die häufigste ist die, dass sich Leute, egal ob innerhalb oder ausserhalb des Systems, dafür bedanken, dass ich Worte für das gefunden habe, was sie auch erleben und durchleben, aber nicht benennen konnten. Ich habe den Eindruck, dass die meisten doch hoffen, dass das System sich irgendwie verändern und reformieren lässt, eine Hoffnung, die ich nicht teile.

Was empfiehlst du Menschen, die sich noch in solchen Gemeinden befinden und dem System religiöser Zwänge entfliehen wollen?

Frank Krause: Nun, ich empfehle ihnen natürlich, den Weg unbedingter Ehrlichkeit mit sich selbst und Gott zu beschreiten. Sie müssen üben, auf ihr Herz zu achten. Jesu Nähe und Führung muss Priorität über den Vorgaben und Erwartungen einer Kirche haben, was dann allerdings regelmässig zu Konflikten führt. Ich versuche, Menschen durch den Schmerz dieser Konflikte zu begleiten. Viele sind sehr alleine und unverstanden, wenn sie den Weg persönlicher Erweckung gehen, wenn ihr Herz ihnen keine andere Wahl mehr lässt. Erweckung ist nicht ohne Schmerzen zu haben.

Hat das Buch auch einen autobiografischen Aspekt?

Frank Krause: Sicher hat es den, weil ich Jesus meine ureigensten Fragen stelle, die natürlich mit meinen eigenen Erfahrungen von Christsein und Gemeinde zusammenhängen … und es sind viele Fragen. Fragen stellen, ist wichtig. Wir sollten niemals damit aufhören.

Man könnte dir vorwerfen, dass du es dir zu einfach machst, indem du das “Böse” auf die Macht des Turmes reduzierst. Wie antwortest du darauf?

Frank Krause: Nun, das Buch ist keine Dogmatik und erhebt nicht den Anspruch, das Wesen des Bösen in allen seinen Ausprägungen darzustellen. In einem kommenden Buch werde ich über weitere, eher persönliche Aspekte schreiben. Die Geisterstadt beschreibt nur einen Teil meiner „Reise“ mit dem Herrn, aber einen sehr wichtigen, denn er hat mir etwas über das Wesen der „organisierten“ und „institutionalisierten“ Bosheit bzw. „Anmaßung“ zeigen wollen, deren Tücke gerade darin besteht, dass sie aufgrund ihrer Allgegenwärtigkeit nicht bemerkt wird, denn alle sind gut daran gewöhnt.

Bitte formuliere die Hauptaussage des Buches für jemanden, der es noch nicht gelesen hat, in einem Satz.

Frank Krause: In einem Satz geht das schwerlich, ich zitiere einen vom Klappentext des Buches:
„Das Buch will dazu ermutigen, sich selbst tiefer auf Gott einzulassen und die eigene „Reise des Glaubens“ mit ihren Höhen und Tiefen besser zu verstehen, denn mit dem, was wir nicht verstehen, können wir nur schwer umgehen.“

Wann erscheint dein nächstes Buch und worum wird es da gehen?

Frank Krause: So Gott will, erscheint das nächste Buch im ersten Halbjahr 2011. Es geht um das Thema „Unterordnung“, ein heißes Eisen in der Gemeinde. Ich beleuchte insbesondere die Frage nach der Macht und unseren in den Gemeinden meist allzuwenig reflektierten und von der „Welt“ entlehnten Umgang damit. Sehr viel Leid ist die Folge, welches aber gerne zugedeckt und „wegtheologisiert“ wird. Dies ist ein für viele Menschen unerträglicher Zustand und ich wollte mich damit nicht abfinden.

Wir sind gespannt darauf und bedanken uns herzlich für das Interview.

Quelle: www.zweioderdrei.net


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